Stadtentdecker-Projekt in Spremberg

Spremberg mit anderen Augen sehen – Schüler:innen des Lausitzer Haus des Lernens auf Entdeckungsreise durch ihre Stadt

Normalerweise kennen sie die Straßen nur vom Schulweg. Den Park vom Bolzen nach der Schule. Den Marktplatz vom Samstags-Einkauf mit den Eltern. Aber an diesem Freitag war alles anders. Die Schüler:innen des Lausitzer Haus des Lernens standen mittendrin – und schauten genauer hin als je zuvor.

Spremberg, mal anders betrachtet

Mit ihrer Lehrerin Bartosch an der Seite und einem Experten als Stadtführer zogen die Kinder los. Kein normaler Spaziergang, kein touristischer Rundgang – sondern echtes Entdecken. An ausgewählten Orten in Spremberg hielten sie inne, stellten Fragen, die sonst niemand stellt: Warum sieht das so aus? Wer hat das so gebaut? Wie fühlt sich dieser Platz an – und warum?

Das Stadtentdecker-Projekt macht genau das möglich. Seit 2013 erkunden Schüler:innen in Brandenburg ihre Heimatstädte mit professioneller Begleitung durch Architekt:innen. Kein Schulbuch, keine PowerPoint-Präsentation – sondern Stadtluft, offene Augen und echte Gespräche.

Was die Kinder sehen, was Erwachsene längst übersehen

Kinder haben einen anderen Blick. Sie bemerken die abgeblätterte Farbe an einer Fassade, die Parkbank ohne Schatten, den Platz, an dem niemand sitzt – und fragen sich: Warum eigentlich?

Genau das passierte in Spremberg. Die Schüler:innen entdeckten Details, die im Alltag unsichtbar sind. Sie sprachen darüber, was ihnen an ihrer Stadt gefällt – und was ihnen fehlt. Wo würden sie sich mehr Grün wünschen? Wo fehlt ein Ort zum Treffen? Was macht einen Platz eigentlich einladend?

Diese Fragen klingen klein. Aber sie sind es nicht. Denn wer lernt, seine Umgebung bewusst wahrzunehmen, beginnt auch, Verantwortung für sie zu übernehmen.

Mehr als ein Ausflug – eine echte Beteiligung

Was die Kinder beim Stadtentdecker-Projekt erfahren, geht über einen schönen Projekttag hinaus. Sie werden ernst genommen. Ihre Meinungen zählen. Ihre Wünsche für die Stadt – für ihre Stadt – fließen in echte Gespräche mit Entscheidungsträger:innen ein.

Das ist kein Rollenspiel. Das ist Demokratie lernen – auf Augenhöhe, auf dem Bürgersteig, zwischen Häusern und Plätzen, die sie täglich umgeben.

Frau Bartosch begleitet ihre Klasse durch diesen Prozess und weiß: Was hier passiert, bleibt. Nicht nur als schöne Erinnerung, sondern als Haltung – als das Bewusstsein, dass man selbst etwas zu sagen hat. Auch als Kind. Auch in Spremberg.

Der Spaß, der bleibt

Und ja – es hat auch einfach richtig Spaß gemacht. Die Schüler:innen liefen durch Spremberg und entdeckten ihre Stadt wie zum ersten Mal. Mit Aufgaben in der Hand, Fragen im Kopf und dem Stolz, etwas zu wissen, das andere noch nicht wissen.

Denn das ist das Geheimnis guter Bildung: Sie fühlt sich nicht wie Lernen an. Sie fühlt sich an wie Abenteuer.

Stadtentdecker – wer steckt dahinter?

Das Stadtentdecker-Projekt wird seit 2013 von der Brandenburgischen Architektenkammer in Kooperation mit dem Landesinstitut Brandenburg für Schule und Lehrkräftebildung (LIBRA) durchgeführt, gefördert durch das Ministerium für Infrastruktur und Landesplanung (MIL) und unterstützt durch das Ministerium für Bildung, Jugend und Sport (MBJS). Es richtet sich an Schulen aller Schularten in Brandenburg – von Klasse 4 bis 12.

Interessierte Schulen und Städte können sich direkt an die Brandenburgische Architektenkammer in Potsdam wenden.